Menschenwürdiges Altern ermöglichen

jubilaeum galda hausSeit einem Jahrzehnt werden alte und vor allem dementiell erkrankte Menschen im Helmuth-Galda-Haus sowie ambulant durch die eva-Seniorendienste begleitet und betreut.

Aus diesem Anlass fand am Sonntag ein Festakt statt. Nachdem das Bläserensemble der Joseph-Martin-Kraus-Musikschule die feierliche Stunde eingeleitet hatte, begrüßte Johannes Stasing, Aufsichtsratsvorsitzender, die Anwesenden. Er erinnerte an die Anfänge der Einrichtung: Durch die Besuche des Gradmann-Hauses in Stuttgart-Kaltental und den Kontakt zur Evangelischen Gesellschaft (eva) Stuttgart wurden die Grundsteine für das Helmuth-Galda-Haus gelegt. Die Institution in Stuttgart diente in ihrer einzigartigen, fortschrittlichen und menschennahen Art als Grundlage für den Bau in Buchen.

Dieser wurde von der eva-Gesellschaft ebenfalls unterstützt, die sich bis heute im Neckar-Odenwald-Kreis in der ambulanten Tagespflege engagiert. An der Entstehungsgeschichte könne man die Symbiose, unter anderem aus politischem Willen, Investitionen und der Zusammenarbeit der Beteiligten, erkennen. Johannes Stasing dankte allen, die sich für die Einrichtung stark gemacht hatten und sie bis heute unterstützen, wie auch die Stadt Buchen. „Man sieht, dass zum Wohl der Menschen einiges möglich ist!“, so der Aufsichtsratsvorsitzende.

Trotz der vielen Fortschritte und neuer Erkenntnisse über Demenz könne man die Erkrankung bis heute nicht heilen, deshalb sei es wichtig, die Menschen zu unterstützen, ihnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie gerne leben Es gelte, die Menschen in ihrer Persönlichkeit und Entwicklung wahrzunehmen; sich den Herausforderungen zu stellen und auch die Aufklärung zu unterstützen. Dafür sei das Leitwort „Zuerst muss die Seele bewegt werden“ beispielhaft, die die Arbeit und den Dienst am Menschen hervorhebe. „In den letzten zehn Jahren wurden viele Bemühungen unternommen und dennoch ist viel zu tun, dem wir uns auch in Zukunft mit aller Kraft widmen werden“, schloss Johannes Stasing seine Begrüßung einschließlich einigen Dankworten an die Mitarbeitenden sowie allen Unterstützer ab.


Wunsch ist schnell gereift

Seine Freude und seinen Dank über die ausgezeichnete Arbeit, die vor Ort und auch ambulant geleistet werde, brachte Landrat Dr. Achim Brötel zum Ausdruck und betonte, wie gut diese Einrichtung auf den Campus der Neckar-Odenwald-Kliniken passe. Von Anfang an, zunächst als Bürgermeister der Stadt, habe er das Helmuth-Galda-Haus begleitet. Bereits bis zum Oktober 2002 reichen die ersten Überlegungen zurück und schnell war die Begeisterung seitens aller Beteiligter – vor allem auch nach den Besuchen in Stuttgart-Kaltental – groß: „In uns war praktisch vom ersten Augenblick an der Wunsch gereift, ein solches Zentrum für Demenzkranke mit einem ähnlich ganzheitlichen Ansatz wie das Gradmann-Haus auch in Buchen anzusiedeln“, erzählte der Landrat. Auch in Bezug auf die steigende Anzahl demenzkranker Menschen sei die Umsetzung dieses Wunsches wichtig gewesen. In der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart habe man den idealen Partner gefunden.

Dr. Achim Brötel war es ein persönliches Anliegen, an einen ganz maßgeblichen Wegbegleiter, den damaligen Abteilungsleiter der Dienste für ältere Menschen bei der eva, zu erinnern, aber auch an Helmuth-Galda, einen großartigen Seelsorger des Stadt Buchen, der mit den Namen des Hauses geehrt wird und der in dieser Einrichtung weiterlebt. „Hinter dem Konzept des Helmuth-Galda-Hauses steckt die Grundidee, hier bei uns vor Ort ein Netzwerk von Hilfsangeboten für Menschen mit Demenz und deren Angehörige aufzubauen“, unterstrich der Landrat. Neben traditionellen und bewährten Strukturen sei deshalb auch die Weiterentwicklung und Innovation wichtig.

Bürgermeister Roland Burger ging in seinem Grußwort auf die zwei Wünsche des Menschen, nämlich alt zu werden und jung zu bleiben, ein. Der erste gehe mehr und mehr in Erfüllung, doch der zweite leider nicht immer, so dass ein Grad der Pflegebedürftigkeit entstehe, der die professionelle Hilfe und Unterstützung nötig mache. Solche leiste die Einrichtung nunmehr seit zehn Jahren.


Nicht nur körperliche Pflege

Dabei sei der Leitgedanke „Zuerst muss die Seele bewegt werden“ besonders nennenswert. Dieser rücke in den Vordergrund, dass nicht nur die körperliche Pflege wichtig sei: „Die Seele ist mit dem Menschen verbunden und wichtig für die Persönlichkeit, die einen bis zum Tod ausmacht“, so Roland Burger. Um diese anspruchsvolle Arbeit zu leisten und dem Leitbild, die Seele zu bewegen, gerecht zu werden, bedürfe es Kraft, Geduld und Liebe, damit ein menschenwürdiges Altern gewährt sei. Dieser Einsatz verdiene großen Dank und sei viel wert.

Pfarrer Karl Kress hob in seinem geistlichen Wort hervor, dass der christliche Ansatz der Einrichtung ein Alleinstellungsmerkmal sei und maßgeblich zum Wohlfühlen und einem gelungenen Dienst am Menschen beitrage. Es benötige die gegenseitig schenkende und annehmende Liebe, damit eine solche Institution für die Bewohner nicht nur zum Heim, sondern zu einer christlichen Gemeinde werde, die von Gottes bedingungsloser Liebe geprägt ist und die Welt, in der wir leben, zu einer wird, die christusähnlich gestaltet ist. In seinem Gebet dankte er Gott für das Helmuth-Galda-Haus, bat um seinen Segen, Gnade, Weisheit und Tröstung.

Die Bundestagsabgeordneten Dr. Dorothee Schlegel und Alois Gehrig sprachen ebenfalls Grußworte, in denen sie ihre Glückwünsche äußerten und die Herausforderungen des demographischen Wandels, denen man sich auch in Berlin widme, anklingen ließen.

Geschäftsführerin Edith Bertsche dankte allen, die das Fest ermöglicht hatten und sich seit Jahren engagieren. Ein besonderer Dank ging an die Mitarbeiter des Helmuth-Galda-Hauses, die in der Einrichtung seit Anfang an arbeiten. Diese erhielten eine Urkunde mit einem Präsent.

Der Nachmittag wurde durch ein ansprechendes Rahmenprogramm abgerundet: Neben dem Sitztanz der Bewohner, Informationen zum begleiteten Malen, einem Bücher- und Schallplatten-Flohmarkt, Hausführungen, Tanzeinlagen externer Gruppen im Garten und einem Quiz, gab es Kaffee und Kuchen für jedermann.

Bild und Text: Antea Fischer